Coronadiskurse von der „Grenzschließung“ bis zum „Schweinestau“

© Inesa Posypai

von Rita Vallentin und Studierenden
31. März 2022

Im Wintersemester 2020/21 haben sich Studierende des Studiengangs Sprache – Medien – Gesellschaft aus linguistischer Perspektive mit medialen Diskursen rund um „Corona“ beschäftigt. 

Die Korpora für die Analysen umfassen verschiedene Zeiträume in 2020, dem ersten „Coronajahr“, in dem sich neue Diskurse zur Pandemie herausgebildet haben oder etablierte Diskurse vom Coronavirus und den dazugehörigen politischen Maßnahmen sowie den gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt worden sind. In dem von Rita Vallentin geleiteten Seminar „Reden über Corona – Linguistische Diskursanalyse als Forschungsprojekt“ sind so 15 Forschungsarbeiten entstanden, von denen vier für diesen Blogbeitrag zur Veröffentlichung überarbeitet wurden. 

Hannah Waldhoff befasst sich in ihrer Arbeit mit den Begriffen „Triage“ und „Normalzustand“ und exploriert Veränderungen in der Gebrauchsform der beiden Begriffe im April und Dezember des Jahres 2020. Die diskursive Prägung von Mensch-Tier-Beziehungen durch die Pandemie wird von Susanne Groth in Hinblick auf den Begriff des „Schweinestaus“ untersucht. Inesa Posypai analysiert den Sprachgebrauch zur Pandemie im sozialen Netzwerk Twitter. Mittels einer „Big Data“ Erhebung von April und Dezember 2020 im Vergleich ordnet sie Tweets mit dem Hashtag #Corona sowie #Covid in semantische Cluster und kann Veränderungen von Schlagwörtern sowie Diskurssträngen diagnostizieren. Yuliia Hermash untersucht in ihrer Forschungsarbeit regionale mediale Perspektiven auf die Grenzschließung zwischen Polen und Deutschland, insbesondere zwischen Słubice und Frankfurt (Oder). Dabei sind „Verkehr“ und „Arbeit“ die vorherrschenden Schlagwörter in Verbindung mit der Pandemie.

Die Blicke auf die Diskurse in den ersten Phasen der Covid-19 Pandemie zeigen die anfänglichen Prägungen und die stetigen Veränderungen von Diskurssträngen, Schlagwörtern und Einbindungen verschiedener Akteure während der Pandemie. Sie ergründen – auch im Hinblick auf eine aktuelle Perspektive, in der wir seit zwei Jahren in pandemischen Zuständen leben – Diskursverschiebungen und die sprachlichen Mittel ihrer (Re)Produktion.

Forschungsarbeiten:

Der „Schweinestau“ in der Coronapandemie – Eine Diskursanalyse
von Susanne Groth

Zwei Städte ‚ohne Grenzen‘? Eine regionale Perspektive auf die coronabedingte Grenzschließung anhand einer linguistischen Diskursanalyse deutschsprachiger Onlinemedien
von Yuliia Hermash 

Wie die „Wertigkeit von Leben“ im Coronadiskurs verhandelt wird – Eine linguistische Diskursanalyse
von Hannah Waldhoff

#Corona – Der Coronadiskurs auf Twitter im April und Dezember 2020 
von Inesa Posypai


Rita Vallentin hat Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Linguistik und Sozialwissenschaften an der Europa Universität Viadrina und in Oviedo sowie Soziologie an der Universität Freiburg, in Buenos Aires und Neu Delhi studiert. Sie promovierte im Doppelpromotionsprogramm „Ethnicity in Motion“ der Viadrina mit der Universidade Federal Fluminense in Niterói, Brasilien. Sie ist Koordinatorin des Masterstudiengangs Sprache – Medien – Gesellschaft (SMG) und des Bachelorstudiengangs Cultural and Social Studies. Zu ihren aktuellen Forschungsschwerpunkten gehören sprachliche Praktiken in plurilin-gualen Communities of Practice sowie pandemische Linguistic Landscapes.

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